Titel: Die Globalisierungsfalle
Autor: Hans-Peter Martin und Harald Schumann

Erschienen: 1998
ISBN: 3-499-60450-7
Quelltext: S.10 und S.12ff.


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H.P. Martin; Die Globalisierungsfalle; 1998; ISBN 3-499-60450-7; S.10 und S.12ff.

In diesem Buch beschreibt H.P. Martin, wie Michail Gorbatschow schon 1995 500 führende Politiker, Wirtschaftsführer und Wissenschaftler aus allen Kontinenten ins Fairmont-Hotel in San Francisco (Kalifornien, USA) einfliegen ließ, um unter dem Motto 'unterwegs in eine neue Zivilisation' Wege ins 21.Jahrhundert zu weisen. Dort sprach z.B. John Gage, Topmanager bei der US-Computerfirma Sun Microsystems, davon, daß bis auf eine kleine unverzichtbare Minderheit der größte Teil seiner 16000 Mitarbeiter zur Rationalisierungsreserve gehöre (S.12f)!
Allen Teilnehmern war klar, daß uns die Zukunft bislang ungeahnte Arbeitslosenheere bringt, die als marodierende Migranten und Tagelöhner ein karges Leben fristen und der wenigen verbliebenen Arbeit nachjagen werden. Wegen des Wettbewerbs um die verbliebene wenige Arbeit erwarten die Konzernlenker einen derartigen Preisverfall für menschliche Arbeit, daß selbst in den Industrieländern 'bald wieder Menschen zum Nulltarif die Straßen sauberhalten oder als Haushaltshilfen kläglichen Unterschlupf finden'. Schnell machten Begriffe wie '20 zu 80' und schließlich die '1/5-Gesellschaft' unwidersprochen die Runde. '20 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung würden im kommenden Jahrhundert ausreichen, um die Weltwirtschaft in Schwung zu halten.' 'Mehr Arbeitskraft wird nicht gebraucht', meint Magnat Washington SyCip. 'Ein Fünftel aller Arbeitsuchenden werde genügen, um Waren zu produzieren und die hochwertigen Dienstleistungen zu erbringen, die sich die Weltgesellschaft leisten könne' (S.12f).

H.P. Martin: Seit 1986 Spiegel-Redakteur. Seit 20.07.1999 Abg. des Europäischen Parlaments.
http://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Peter_Martin

Hieraus ist zu schlußfolgern, daß bei einer durchschnittlichen 40-Stunden-Woche im Jahre 1995 für das Jahr 2030 eine (40h/5=) 8-Stunden-Woche zu erwarten ist, wenn die Arbeit weltweit gleichmäßig auf alle Menschen verteilt würde, die zum Arbeitstätigenpotential gehören. Diese Betrachtung der weltweiten Eliten in Staat, Wirtschaft und Wissenschaft gilt für eine Aufrechterhaltung der eigentumsbasierten Waren- und Geldwirtschaft, bei der nur die Erwartungswerte für eine Vollautomatisierung, besseres Management und rationellere Verteilungsstruktur zu Grunde gelegt werden. Eine Abschaffung der eigentumsbasierten Warenwirtschaft und die Überführung in eine basisdemokratische Selbstverwaltung von Produktion und Verteilung unter basisdemokratisch-kommunistischen Gesichtspunkten stand an dieser Stelle natürlich nicht zur Diskussion! Mit diesem Ansatz, der noch viel weiter reicht, könnten wir die durchschnittliche Menge der 1990 einstmals üblichen Lohnarbeitszeit auf einen Wert von 5 Stunden pro Woche drücken.

Dieser von Hans-Peter Martin dargelegte Sachverhalt ist von außerordentlicher Wichtigkeit, da er zeigt, daß die Welteliten in Staat, Wirtschaft und Wissenschaft durchaus darüber im Bilde sind, welcher materielle Reichtum der Weltgesellschaft dadurch vorenthalten wird, daß gerade diese Eliten die Nichtentfaltung der Produktivität durch eine Massenarbeitslosigkeit von 4/5 des Arbeitskräftepotentials der Weltbevölkerung tatenlos hinnehmen. Hieraus ist zu schließen, daß alle Argumentationen von Seiten der Eliten, die nicht auf eine Entfaltung der weltweiten Produktivität zur Überwindung von Armut und Elend ausgerichtet sind, nur dem selbstsüchtigen Ziel der Eliten zur eigenen Machterhaltung dienen. Denn von den Eliten kommt wider besseren Wissens kein Argument, das eine Entfalltung der weltweiten Produktivität begünstigt, da genau dies auch die Grundlage ihrer materiellen Macht über die Weltgesellschaft zerstören würde.

Stand: 11.08.2010


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H.P. Martin; Die Globalisierungsfalle; 1998; ISBN 3-499-60450-7; S.10 und S.12ff.

In diesem Buch beschreibt H.P. Martin, wie Michail Gorbatschow schon 1995 500 führende Politiker, Wirtschaftsführer und Wissenschaftler aus allen Kontinenten ins Fairmont-Hotel in San Francisco (Kalifornien, USA) einfliegen ließ, um unter dem Motto 'unterwegs in eine neue Zivilisation' Wege ins 21.Jahrhundert zu weisen. Dort sprach z.B. John Gage, Topmanager bei der US-Computerfirma Sun Microsystems, davon, daß bis auf eine kleine unverzichtbare Minderheit der größte Teil seiner 16000 Mitarbeiter zur Rationalisierungsreserve gehöre (S.12f)!
Allen Teilnehmern war klar, daß uns die Zukunft bislang ungeahnte Arbeitslosenheere bringt, die als marodierende Migranten und Tagelöhner ein karges Leben fristen und der wenigen verbliebenen Arbeit nachjagen werden. Wegen des Wettbewerbs um die verbliebene wenige Arbeit erwarten die Konzernlenker einen derartigen Preisverfall für menschliche Arbeit, daß selbst in den Industrieländern 'bald wieder Menschen zum Nulltarif die Straßen sauberhalten oder als Haushaltshilfen kläglichen Unterschlupf finden'. Schnell machten Begriffe wie '20 zu 80' und schließlich die '1/5-Gesellschaft' unwidersprochen die Runde. '20 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung würden im kommenden Jahrhundert ausreichen, um die Weltwirtschaft in Schwung zu halten.' 'Mehr Arbeitskraft wird nicht gebraucht', meint Magnat Washington SyCip. 'Ein Fünftel aller Arbeitsuchenden werde genügen, um Waren zu produzieren und die hochwertigen Dienstleistungen zu erbringen, die sich die Weltgesellschaft leisten könne' (S.12f).

H.P. Martin: Seit 1986 Spiegel-Redakteur. Seit 20.07.1999 Abg. des Europäischen Parlaments.
http://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Peter_Martin

Hieraus ist zu schlußfolgern, daß bei einer durchschnittlichen 40-Stunden-Woche im Jahre 1995 für das Jahr 2030 eine (40h/5=) 8-Stunden-Woche zu erwarten ist, wenn die Arbeit weltweit gleichmäßig auf alle Menschen verteilt würde, die zum Arbeitstätigenpotential gehören. Diese Betrachtung der weltweiten Eliten in Staat, Wirtschaft und Wissenschaft gilt für eine Aufrechterhaltung der eigentumsbasierten Waren- und Geldwirtschaft, bei der nur die Erwartungswerte für eine Vollautomatisierung, besseres Management und rationellere Verteilungsstruktur zu Grunde gelegt werden. Eine Abschaffung der eigentumsbasierten Warenwirtschaft und die Überführung in eine basisdemokratische Selbstverwaltung von Produktion und Verteilung unter basisdemokratisch-kommunistischen Gesichtspunkten stand an dieser Stelle natürlich nicht zur Diskussion! Mit diesem Ansatz, der noch viel weiter reicht, könnten wir die durchschnittliche Menge der 1990 einstmals üblichen Lohnarbeitszeit auf einen Wert von 5 Stunden pro Woche drücken.

Dieser von Hans-Peter Martin dargelegte Sachverhalt ist von außerordentlicher Wichtigkeit, da er zeigt, daß die Welteliten in Staat, Wirtschaft und Wissenschaft durchaus darüber im Bilde sind, welcher materielle Reichtum der Weltgesellschaft dadurch vorenthalten wird, daß gerade diese Eliten die Nichtentfaltung der Produktivität durch eine Massenarbeitslosigkeit von 4/5 des Arbeitskräftepotentials der Weltbevölkerung tatenlos hinnehmen. Hieraus ist zu schließen, daß alle Argumentationen von Seiten der Eliten, die nicht auf eine Entfaltung der weltweiten Produktivität zur Überwindung von Armut und Elend ausgerichtet sind, nur dem selbstsüchtigen Ziel der Eliten zur eigenen Machterhaltung dienen. Denn von den Eliten kommt wider besseren Wissens kein Argument, das eine Entfalltung der weltweiten Produktivität begünstigt, da genau dies auch die Grundlage ihrer materiellen Macht über die Weltgesellschaft zerstören würde.

Stand: 11.08.2010